In der zweiten Hofheimer Ferienspielwoche verwandelte sich der Schulhof für fünf Tage in eine große Ritterakademie. 60 Kinder trainierten mit Schwert, Lanze, Keule, Armbrust und Bogen, gestalteten eigene Wappen und lernten, dass wahre Ritterlichkeit weit mehr bedeutet als Stärke und Geschick.
Willkommen in der Ritterakademie
Am ersten Morgen kamen 60 Kinder zusammen, von denen sich viele noch nicht kannten. Einige stürzten sich sofort neugierig in das neue Abenteuer, andere beobachteten zunächst vorsichtig, was sie in der Ritterakademie wohl erwarten würde.
Schon bald versammelten sich alle in der großen ritterlichen Runde. Hier wurden die Aufgaben des Tages besprochen, Geschichten erzählt und die Regeln der Akademie erklärt.
Denn ein Ritter oder eine Ritterin zeichnet sich nicht allein dadurch aus, gut mit einem Schwert umgehen zu können. Mut, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme und ein fairer Umgang miteinander waren mindestens genauso wichtig.
Über allem standen deshalb die Tugenden der Ritter.
Ein eigenes Wappen für jedes Kind
Bevor die Ausbildung beginnen konnte, brauchten die angehenden Ritterinnen und Ritter ein eigenes Wappen.
Mit Pinseln und kräftigen Farben gestalteten die Kinder ihre persönlichen Schilde. Manche entschieden sich für klare Zeichen und Symbole, andere entwickelten fantasievolle Muster und ganz eigene Familienwappen.
So entstanden 60 individuelle Schilde – keines davon sah aus wie das andere.
Ein Wappen musste dabei nicht perfekt oder besonders ordentlich sein. Es sollte zeigen, was dem Kind gefiel und welche Ideen in ihm steckten. Aus einfachen Materialien entstanden auf diese Weise persönliche Schilde, die während der gesamten Woche mit großem Stolz getragen wurden.
Mit bunten Farben, Pinsel und viel Phantasie wurden 60 verschieden Wappenschilde erstellt.
Ausbildung an den Waffen der Ritter
Natürlich gehörte zu einer echten Ritterakademie auch die Ausbildung an den wichtigsten Waffen des Mittelalters.
Die Kinder übten sich im Umgang mit Schwert, Lanze, Keule, Armbrust und Bogen. Dabei ging es jedoch nicht darum, gegeneinander zu gewinnen oder möglichst stark aufzutreten.
Vielmehr lernten die Kinder, ihre Kraft einzuschätzen, Regeln einzuhalten und verantwortungsvoll mit der Ausrüstung umzugehen. Konzentration, Koordination und ein fairer Umgang miteinander waren bei jeder Übung gefragt.
Besonders stolz waren viele Kinder auf ihre selbst geschnitzten Bögen. Aus einfachen Ästen entstanden mit Geduld, Geschick und viel Ausdauer funktionierende Einzelstücke.
Dabei wurde schnell deutlich: Ein guter Bogen entsteht nicht in wenigen Minuten. Holz braucht Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Zeit.
Genau darin lag ein wichtiger Teil der Ausbildung.
Beim Keulenkampf das Gleichgewicht halten ist nicht wirklich leicht.
Das eigene Schwert
Auch das persönliche Schwert wurde von den Kindern selbst geschnitzt.
Mit großer Konzentration arbeiteten sie an ihren Holzstücken, formten Griffe und Klingen und verwandelten einen einfachen Ast nach und nach in ihr eigenes Ritterschwert.
Nicht jedes Schwert wurde gerade. Nicht jeder Griff sah gleich aus. Doch genau dadurch wurde jedes Stück einzigartig.
Am Ende hielten die Kinder keine gekauften Spielzeuge in den Händen, sondern Gegenstände, die sie selbst geschaffen hatten.
Und so mancher Blick sagte mehr als viele Worte:
„Das ist mein Schwert. Das habe ich selbst gemacht.“
Mut, Fairness und Selbstbeherrschung
Bei den verschiedenen Übungen konnten die Kinder zeigen, was sie bereits gelernt hatten.
Beim Training mit Keulen waren Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit gefragt. Beim Bogenschießen brauchten sie Ruhe und Konzentration. Der Umgang mit Lanze und Armbrust verlangte Aufmerksamkeit und klare Regeln.
Doch die wichtigste Aufgabe bestand darin, das eigene Verhalten im Blick zu behalten.
Wer einfach wild zuschlägt, beweist keine Stärke. Wer seine Kraft kontrolliert, auf sein Gegenüber achtet und die vereinbarten Regeln einhält, zeigt wirkliche Ritterlichkeit.
Manche Kinder gingen sofort mutig in jede Aufgabe. Andere brauchten etwas mehr Zeit oder zunächst die Unterstützung des Teams. Doch immer wieder erlebten wir, wie Kinder über sich hinauswuchsen und am Ende stolz feststellen konnten:
„Ich habe mich getraut.“
Gemeinsam statt gegeneinander
Auch wenn eine Ritterakademie zunächst nach Kämpfen und Wettstreit klingt, stand während der gesamten Woche die Gemeinschaft im Mittelpunkt.
Viele Aufgaben ließen sich nur lösen, wenn die Kinder einander zuhörten, sich absprachen und gegenseitig unterstützten.
Eine Rittergemeinschaft braucht nicht nur die Mutigsten und Stärksten. Sie braucht Kinder mit guten Ideen, aufmerksame Beobachter, geschickte Hände, faire Mitspieler und diejenigen, die merken, wenn jemand Hilfe benötigt.
Nicht jedes Kind musste alles gleich gut können.
Entscheidend war, dass jeder seinen Platz innerhalb der Gemeinschaft finden konnte.
Stockbrot zur Stärkung
Nach so vielen Prüfungen und Trainingseinheiten brauchten die Ritterinnen und Ritter natürlich auch eine kräftige Stärkung.
Gemeinsam saßen die Kinder an der Glut und backten Stockbrot. Dabei war Geduld gefragt, denn wer den Teig zu nah an die heißen Kohlen hielt, hatte schnell eine schwarze Außenseite und einen noch rohen Kern.
So wurde selbst das Stockbrotbacken zu einer kleinen Prüfung.
Es wurde gewartet, gedreht, verglichen und natürlich auch viel gelacht. Rund um die Glut entstanden jene ruhigen Momente, in denen Kinder miteinander ins Gespräch kommen und eine große Gruppe plötzlich ganz selbstverständlich zusammenrückt.
Eine wilde Wasserschlacht
Eine Ritterakademie darf feierlich sein – aber sie darf vor allem auch Spaß machen.
Bei sommerlichen Temperaturen verwandelte sich der Schulhof deshalb für eine Weile in ein großes, nasses Schlachtfeld. Bei einer wilden Wasserschlacht wurde gerannt, ausgewichen, gelacht und ordentlich gespritzt.
Hier waren weder Schwert noch Schild gefragt. Es ging einfach darum, gemeinsam ausgelassen zu sein und den Sommer zu genießen.
Nach konzentriertem Schnitzen, Üben und Trainieren war das genau die richtige Abwechslung.
Und natürlich blieb kaum jemand vollständig trocken.
Da blieb keine Auge, quatsch, Kind trocken. Die große Wasserschlacht.
Die große ritterliche Runde
Die gemeinsame Runde blieb während der gesamten Woche ein fester Bestandteil des Tages.
Hier versammelten sich Kinder und Team, um neue Aufgaben zu besprechen, Erlebnisse miteinander zu teilen und nach bewegungsreichen Programmpunkten wieder zur Ruhe zu kommen.
Mit 60 Kindern einen gemeinsamen Kreis zu bilden, ist etwas Besonderes. Es braucht klare Strukturen, gegenseitige Aufmerksamkeit und das Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein.
In diesen Runden wurde immer wieder deutlich, worum es in der Ritterakademie wirklich ging:
Nicht darum, der Beste zu sein.
Sondern darum, mutig, ehrlich, hilfsbereit und fair zu handeln.
Die große Runde der angehenden Ritterinnen und Ritter
Der feierliche Ritterschlag
Am Ende der Woche wartete der große Höhepunkt.
Zum feierlichen Abschluss waren auch die Eltern eingeladen. Sie konnten erleben, worauf die Kinder während der vergangenen Tage hingearbeitet hatten.
Nacheinander traten die angehenden Ritterinnen und Ritter vor. Jedes Kind erhielt eine persönliche Urkunde und damit auch seinen eigenen Ritternamen.
Manche Namen klangen besonders würdevoll und mutig. Andere sorgten bei den Kindern, den Eltern und auch bei unserem Team für ein herzliches Schmunzeln.
Doch jeder Rittername war einzigartig und gehörte genau zu dem Kind, das ihn verliehen bekam.
Anschließend erfolgte der feierliche Ritterschlag mit dem magischen Schwert Excalibur.
Für einen Moment wurde es still.
Dann wurde aus jedem Kind ein Ritter oder eine Ritterin der Hofheimer Ritterakademie.
Der feierliche Ritterschlag mit Excalibur. Der Höhepunkt der Woche.
Die Schwertleite
Nach dem Ritterschlag erhielten die Kinder die Schwertleite.
Das selbst geschnitzte Schwert wurde am eigenen Schwertgürtel befestigt und damit offiziell an den neuen Ritter oder die neue Ritterin übergeben.
Dieser Moment war weit mehr als die Übergabe eines Werkstücks.
Das Schwert erinnerte an die Geduld beim Schnitzen, an die vielen Prüfungen, an kleine Herausforderungen und an den Mut, sich auf etwas Neues einzulassen.
Die Kinder nahmen deshalb nicht einfach nur ein Holzschwert mit nach Hause.
Sie nahmen ein sichtbares Zeichen für eine ganze Woche voller Erfahrungen mit.
60 stolze Ritterinnen und Ritter
Beim gemeinsamen Abschlussbild reckten viele Kinder ihre Bögen und Schwerter jubelnd in die Luft. Andere präsentierten stolz ihre Wappen oder hielten ihre Ausrüstung fest in den Händen.
Zu sehen waren keine 60 gleichen Ritterinnen und Ritter.
Dort stand eine bunte Gemeinschaft aus ganz unterschiedlichen Kindern.
Kinder, die mutig vorangingen. Kinder, die andere unterstützten. Kinder, die geduldig schnitzten, konzentriert zielten, laut lachten oder zunächst etwas Zeit benötigten, um ihren Platz zu finden.
Doch am Ende gehörten sie alle dazu.
Sie alle hatten die Ritterakademie bestanden.
Danke an die Stadt Hofheim
Wir bedanken uns herzlich bei der Stadt Hofheim, bei Birte und Katja für das Vertrauen und die Möglichkeit, nach der ersten Ferienspielwoche auch dieses große Ritterabenteuer gestalten zu dürfen.
Unser Dank gilt allen Menschen, die die Ferienspiele organisiert, vorbereitet und im Hintergrund unterstützt haben.
Ein besonderer Dank geht an unser Team, das die 60 Kinder mit viel Energie, Geduld, Klarheit und Humor durch die Ritterakademie begleitet hat.
Wir danken ebenso den Eltern, die beim feierlichen Ritterschlag dabei waren und diesen besonderen Abschluss gemeinsam mit ihren Kindern erlebt haben.
Vor allem aber danken wir den 60 Kindern.
Sie haben aus einem Schulhof eine Ritterakademie, aus einfachen Ästen Bögen und Schwerter und aus einer großen Gruppe eine ritterliche Gemeinschaft gemacht.
Die Ritterakademie schließt ihre Tore
Am Ende wurden die Trainingsplätze geräumt, Excalibur sicher verwahrt und die große ritterliche Runde ein letztes Mal aufgelöst.
Der Schulhof wurde wieder zu einem gewöhnlichen Ort.
Doch die Erfahrungen der Woche blieben.
Der Stolz auf das eigene Wappen. Das selbst geschnitzte Schwert am Gürtel. Der persönliche Rittername auf der Urkunde. Der Mut, sich einer neuen Aufgabe zu stellen. Und die Erkenntnis, dass wahre Stärke immer auch Rücksicht, Fairness und Hilfsbereitschaft bedeutet.
Für fünf Tage waren 60 Kinder Teil der Hofheimer Ritterakademie.
Am Ende gingen 60 frisch geschlagene Ritterinnen und Ritter nach Hause.
TANDERADEI




