Vom 2. bis 7. August 2026 wurde unser Tipicamp in Ehringen für sechs Tage zum Zuhause für 16 ganz unterschiedliche Kinder. Eine Ferienfreizeit mit besonderem Betreuungsbedarf – und gleichzeitig eine Woche, in der vor allem eines wichtig war: Kind sein dürfen.
Ferienfreizeit mit besonderem Betreuungsbedarf in Ehringen
Nicht jedes Kind findet sich problemlos in großen Gruppen, engen Zeitplänen oder klassischen Ferienangeboten zurecht. Manche Kinder benötigen mehr Orientierung, mehr Zeit, klarere Strukturen oder einfach einen Erwachsenen, der in einem schwierigen Moment ein wenig näher bleibt.
Genau dafür war diese Freizeit gedacht.
Unsere Gruppe bestand aus 16 Kindern mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Erfahrungen. Einige von ihnen hatten zuvor bereits erlebt, dass andere Freizeitangebote für sie nicht funktioniert hatten oder sogar vorzeitig beendet werden mussten.
Für uns bedeutete das nicht, weniger zuzutrauen.
Es bedeutete, genauer hinzusehen.
Sechs Tage Leben im Tipicamp
Unser Tipicamp in Ehringen bietet dafür einen besonderen Rahmen. Zwischen großen Tipis, alten Bäumen, Feuerstelle, Bach und viel Platz entsteht schnell eine kleine eigene Welt.
Eine Welt, in der nicht jede Minute durchgeplant sein muss.
Natürlich gab es gemeinsame Aktionen und Abenteuer. Wir zogen los, um geeignete Bogenstöcke zu suchen, bauten unsere eigenen Bögen, schnitzten, spielten und verbrachten viel Zeit draußen.
Aber genauso wichtig waren die Momente dazwischen.
Ein UNO-Spiel am Tisch. Ein Gespräch auf einer Bank. Gemeinsam ein Eis essen. Einfach einmal zuschauen. Oder sich für eine Weile zurückziehen und später wieder zur Gruppe dazukommen.
Denn Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle immer dasselbe tun.
Die Stöcke für die Bögen mussten natürlich erst einmal geerntet werden.
Bögen, Geschichten und kleine Abenteuer
Ein Höhepunkt der Woche war der Bau eigener Bögen.
Bevor gesägt, geschnitzt und gespannt werden konnte, mussten zunächst geeignete Äste gefunden werden. Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg und suchten in der Natur nach unserem Material.
Danach begann die eigentliche Arbeit.
Mit Unterstützung der Teamer entstanden Schritt für Schritt individuelle Bögen. Dabei ging es nicht darum, wer am schnellsten fertig wurde oder wessen Bogen am schönsten aussah. Entscheidend war die Erfahrung:
Ich kann etwas mit meinen eigenen Händen erschaffen.
Solche Erlebnisse gehören für uns zu einer Ferienfreizeit genauso wie Bewegung, Spiel und gemeinsames Lachen.
Konzentriert und entspannt, beim Bogenbau geht beides
Und natürlich gehörten Geschichten dazu
Wenn es am Abend ruhiger wurde, rückten andere Dinge in den Mittelpunkt.
Dann saßen Kinder und Erwachsene zusammen am Feuer, und Geschichten wurden ausgepackt.
Denn Geschichten gehören bei Abenteuer4ma einfach dazu.
Sie schaffen Bilder im Kopf, lassen den Tag langsamer werden und verbinden eine Gruppe auf eine ganz besondere Weise. Manchmal hörten alle aufmerksam zu. Manchmal rückte ein Kind ganz nah heran. Und manchmal entstand aus einer Geschichte plötzlich ein Gespräch über Dinge, die vorher überhaupt nicht geplant waren.
Genau solche Momente lassen sich nicht organisieren.
Man kann ihnen nur Raum geben.
Uno und Eis – passt
Klare Strukturen und trotzdem genügend Freiheit
Eine Freizeit mit besonderem Betreuungsbedarf braucht einen verlässlichen Rahmen.
Die Kinder mussten wissen, welche Regeln gelten, wo Erwachsene zu finden sind und was als Nächstes passiert. Gleichzeitig wollten wir vermeiden, dass daraus ein enges Korsett entsteht.
Deshalb gab es feste Orientierungspunkte, gemeinsame Mahlzeiten, Rituale und klare Absprachen – aber auch viel Raum für eigene Entscheidungen.
Manche Kinder brauchten an einem Tag mehr Nähe. Andere wollten möglichst selbstständig unterwegs sein. Manche waren mitten im Geschehen, andere beobachteten zunächst lieber vom Rand.
Alles davon durfte sein.
Nicht jeder Moment war einfach
Zu einer ehrlichen Nachlese gehört auch das.
16 Kinder mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen sechs Tage lang gemeinsam zu begleiten, ist eine Herausforderung. Es gab Konflikte, Überforderung, Tränen und Situationen, in denen ein Kind einen Erwachsenen ganz für sich brauchte.
Dann hilft kein perfekter Wochenplan.
Dann braucht es Menschen.
Menschen, die ruhig bleiben. Die Grenzen setzen können, ohne ein Kind abzuwerten. Die zuhören. Die einen Konflikt aushalten. Und die am nächsten Morgen nicht mehr auf das schauen, was gestern schwierig war.
Unser Team hat in dieser Woche unglaublich viel geleistet.
Geschichten vorlesen gehört einfach dazu
Eine Gruppe entsteht nicht am ersten Tag
Am Sonntag kamen 16 einzelne Kinder in unserem Camp an.
Mit Taschen, Schlafsäcken, Erwartungen, Unsicherheiten und jeweils ihrer ganz eigenen Geschichte.
In den folgenden Tagen geschah etwas, das sich kaum planen lässt.
Aus einzelnen Kindern wurde nach und nach eine Gruppe.
Nicht immer harmonisch. Nicht immer leise. Und ganz bestimmt nicht perfekt.
Aber echt.
Kinder fanden Spielpartner. Sie halfen einander. Sie stritten und vertrugen sich wieder. Sie entwickelten ihre eigenen kleinen Rituale und suchten sich Plätze im Camp, die irgendwann „ihre“ Plätze wurden.
Am Ende gehörten die Tipis ein kleines Stück zu ihnen.
Und sie ein kleines Stück zu den Tipis.
Danke für das Vertrauen
Eine solche Freizeit funktioniert nur, wenn Eltern und Bezugspersonen bereit sind, uns ihre Kinder anzuvertrauen.
Gerade wenn ein Kind schon schwierige Erfahrungen mit Gruppenangeboten gemacht hat, ist dieser Schritt alles andere als selbstverständlich. Viele Eltern erzählten uns nach der Freizeit, dass sie in den ersten Tagen beinahe ständig damit gerechnet hatten, dass ihr Telefon klingelt – mit der Nachricht, sie müssten ihr Kind abholen.
Dieser Anruf kam nicht.
Stattdessen verging ein Tag nach dem anderen. Die Kinder blieben. Sie fanden ihren Platz, meisterten schwierige Situationen und wurden Teil der Gemeinschaft.
Für manche Familien war genau das vielleicht eines der wichtigsten Erlebnisse dieser Woche.
Deshalb möchten wir uns bei allen Eltern und Bezugspersonen für dieses große Vertrauen bedanken.
Und vor allem bei unserem Team.
Für Geduld. Für Klarheit. Für unzählige Gespräche. Für spontane Lösungen. Für Nähe, wenn Nähe gebraucht wurde – und für das Zurücktreten, wenn ein Kind seinen eigenen Weg gehen konnte.
Vor allem aber dafür, dass während dieser sechs Tage immer wieder genau hingeschaut wurde:
Was braucht dieses Kind gerade?
Genau so wird ein Bogen gespannt
Was von einer Ferienfreizeit bleibt
Vielleicht bleibt bei einem Kind der selbst gebaute Bogen.
Bei einem anderen die Geschichte am Lagerfeuer.
Vielleicht das gemeinsame UNO-Spiel, ein neues Lied, das Schlafen im Tipi oder ein Freund, den man vorher noch nicht kannte.
Und manchmal bleibt etwas, das man weder fotografieren noch mit nach Hause nehmen kann:
Das Gefühl,
Ich war dabei.
Ich hatte meinen Platz.
Und ich durfte sein, wie ich bin.
Wenn nach sechs Tagen ein wenig davon mit nach Hause fährt, dann war es eine gute Ferienfreizeit.
Lakotas im Schatten




